Wenn die Dunstabzugshaube tropft und der Fettfilter sauber ist, suchen viele den Fehler an der Haube selbst. Sie prüfen das Gehäuse, schauen nach Rissen, tippen auf einen Defekt. Dabei liegt die eigentliche Ursache meistens ein paar Meter entfernt – im Abluftrohr, das sich durch die Wand oder den Dachboden schlängelt und dort still sein eigenes Problem erzeugt.
Das Rohr ist in der Diskussion um tropfende Dunstabzugshauben chronisch unterbewertet. Dabei ist es in Wirklichkeit der Ort, an dem das meiste Kondenswasser überhaupt erst entsteht.
Was im Rohr physikalisch passiert
Küchenluft ist warm und feucht, besonders beim Kochen. Die Haube saugt diese Luft an und schickt sie durch das Abluftrohr nach draußen. Auf diesem Weg durchquert die Luft oft Bereiche, die deutlich kälter sind als die Küche: eine Außenwand, einen unbeheizten Keller, den Dachboden im Winter.
Warme, feuchte Luft, die auf eine kalte Oberfläche trifft, gibt ihre Feuchtigkeit ab. Das Wasser schlägt sich an der Innenwand des Rohrs nieder. Dieser Kondensationsprozess ist unvermeidlich, sobald die Temperaturdifferenz groß genug ist – er lässt sich nur verlangsamen oder in seiner Wirkung begrenzen.
Das entstandene Wasser sammelt sich im Rohr. Wenn es dort keinen Abfluss gibt, wenn das Rohr kein ausreichendes Gefälle hat oder wenn es sich an einer Stelle staut, läuft es irgendwann zurück in Richtung Haube. Das ist der Moment, in dem es tropft.
Die drei häufigsten Schwachstellen im Abluftsystem
Fehlende oder unzureichende Rohrdämmung. Ein ungedämmtes Blechrohr, das durch einen kalten Dachboden verläuft, ist im Winter kaum wärmer als die Außenluft. Die warme Küchenluft kühlt darin innerhalb weniger Sekunden ab. Eine Dämmung mit einem passenden Isolierschlauch hält die Rohrwandtemperatur höher und reduziert die Kondensatmenge erheblich.
Falsche Rohrneigung. Viele Abluftleitungen werden waagerecht verlegt, weil das einfacher ist. Waagerecht verlegtes Rohr kann Kondenswasser nirgendwo hin entwässern – es staut sich. Optimal ist eine leichte Neigung in Richtung Außenwand, sodass sich bildendes Wasser von selbst nach draußen ablaufen kann, statt zurück in die Haube.
Zu langer oder zu kurz bemessener Rohrdurchmesser. Ein Rohr, das zu eng für die Luftmenge der Haube ist, erzeugt höhere Strömungsgeschwindigkeiten. Das klingt erst einmal nicht nach einem Problem – aber bei zu engen Rohren entsteht mehr Turbulenz und die Luft kommt länger mit den kalten Rohrwänden in Kontakt. Empfohlen wird für die meisten Haushaltshauben ein Rohrdurchmesser von mindestens 150 mm, besser 150 bis 200 mm je nach Saugleistung.
Wo die Haube endet und das Rohr anfängt
Ein Punkt, der oft übersehen wird: Die Verbindung zwischen Haube und Rohr. Wenn der Übergang nicht sauber gedichtet ist oder wenn der Anschluss undicht sitzt, kann Wasser, das sich im Rohr bildet, nicht nur zurücklaufen, sondern auch seitlich austreten. Das sieht dann aus wie ein Leck in der Haube selbst.
Ein kurzer Blick auf den Rohranschluss lohnt sich: Sitzt er fest? Ist er abgedichtet? Gibt es Feuchtigkeitsspuren rund um die Verbindung?
Was man als erste Maßnahme tun kann
Wer den Verdacht hat, dass das Abluftrohr das Problem ist, kann mit einer einfachen Beobachtung beginnen: Tritt das Tropfen vor allem im Winter auf, bei feuchtem Wetter oder nach längeren Kochvorgängen? Nimmt es ab, wenn man die Haube deutlich länger nachlaufen lässt? Dann ist das Abluftsystem mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Ursache.
Die nächsten Schritte – wie man das Rohr richtig dämmt, wie man die Neigung prüft und was bei der Neuverlegung zu beachten ist – erklärt der Artikel zur Rohrisolierung und korrekten Verlegung ausführlich.
Wer außerdem wissen möchte, welche Rolle die Rückstauklappe dabei spielt und warum auch sie Teil des Problems sein kann, findet dazu mehr im Artikel zur Rückstauklappe der Dunstabzugshaube.
